1990-2019

2020

Zur Künstlerin

Ursula Maria Dichtl (° 1961, Aicha Vorm Wald, Deutschland) ist eine Künstlerin, die am liebsten intermedial, gemeinsam mit anderen, unter Einbezug eines Publikums und mehr oder weniger spontaner Mitakteure arbeitet. Durch die Anwendung einer poetischen und oft metaphorischen Sprache möchte Dichtl u.a. Irritation, Faszination und Inspiration generieren. Sie bietet am liebsten mehrdimensionale Spielräume an, die sich gegenüber festgefahrenen Erwartungen und dem Bedürfnis einfacher Erklärungen realtiv restpektlos verhalten. Der innere und äussere Diskurs, der durch ihre Arbeiten und Aktionen angeregt wird, ist für die Künstlerin notwendige Voraussetzung für selbstermächtigendes Verhalten in einer immer entropischer, disruptiver und medialer bestimmten Welt.

 

Ihre Kunstwerke erscheinen häufig als traumhafte Bilder, in denen sich Fiktion und Realität treffen, wo Bruchstücke bereits bekannter Kunst und Mythologie auftauchen, wo Symbole ihre Bedeutungen wechseln und Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen. Zeit und Raum spielen oft Schlüsselrollen in den szenischen Aufführungen der Künstlerin. Ihre Art des Auftretens offenbart eine inhärente Unbeholfenheit, einen Humor, der einfache Bewertungen erschwert und unsere eigenen Schwachstellen widerspiegelt. Die Künstlerin betrachtet die künstlerische Bewegung auch als Metapher für den immer suchenden Menschen, der stets nahe am Abgrund läuft und ständig von Verlust, Wahnsinn und Enttäuschung bedroht ist. Der Gefahr in ungesunde manipulierende Narrative anderer verwickelt zu werden kann nur entgehen, wer sich selbst ermächtigt, die eigene Geschichte zu leben und eigene Sicherheitsnetze zu spannen. Und sich und seine Gesundheit gegen die wirklichen Feinde zu verteidigen.  

 

Die während Ihrer Aktionen entstehenden Arbeiten sind eine Reflexion über die Kunst der Kunst selbst. Indem die Künstlerin das tägliche Leben zum Thema macht und gleichzeitig die allgegenwärtige alltägliche Ästhetik kommentiert, verwendet sie Referenzen und Ideen, die so in den Prozess der Komposition des Werks integriert sind, dass sie denen entgehen können, die sich nicht die Zeit nehmen, dies herauszufinden. Der/diejenige der/die in diese Welt eintaucht, wird belohnt mit dem Gefühl, eine geheime und heimelige Brutstätte des Geistes zu entdecken, die ebenso schmerzhaft wie ehrlich um das Lagerfeuer der Seele herum etwas Neues und Befreiendes anbietet: Die Freude am gemeinsamen Gestalten einer wundervollen, lebbaren Welt mit offenem Ausgang.

 

Ihre künstlerischen Interventionen reagieren häufig direkt auf die Umgebung und nutzen alltägliche Erfahrungen der Künstlerin als Ausgangspunkt. Sie thematisieren gern die Bewegungen, Geräusche und Funktionen von Menschen und Gegenständen. Meist sind ihre Aktionen untermalt von Musik oder Geräuschen, die sie selbst erzeugt oder von anderen ausborgt. Das tägliche Leben und sein unendliches Potenzial wird sichtbar gemacht wie ein ungeschnittener Film, in den man zufällig als Statist hineingeraten ist. Sie bietet kein Drehbuch oder einfache Erklärungen an. Die methodische Grundlage Ihrer Arbeiten entspricht kreativen Spieltaktiken, die verrückt oder professionell wirken können, jedoch niemals beliebig sind. Das Spielen ist eine ernste Angelegenheit: Das Spiel bietet Orientierung, Lernraum und Ausrede zugleich. Und nach dem Spiel ist immer zugleich vor dem Spiel. 

 

Ursla Maria Dichtl lebt und arbeitet seit 2017 in Altdorf/Uri in der Zentralschweiz und ist beteiligt an Projekten in München und Berlin.

 

Foto: 1. Preis  (präcoronare Zeichnung von 1/2019)

Seelenart Kunstförderpreis Oberbayern 2020